Wärmepläne liegen vor – die Sanierungsquote nicht
56 Prozent der Bevölkerung leben in Kommunen mit fertigem Wärmeplan. Die Sanierungsquote liegt bundesweit trotzdem unter einem Prozent – ein Faktor zwei fehlt.
Über die Hälfte der Bevölkerung lebt inzwischen in einer Kommune mit fertigem Wärmeplan. Was in diesen Plänen an Sanierungstempo unterstellt wird, hat mit der tatsächlichen Sanierungsquote allerdings wenig zu tun.
Was passiert ist
Das BFW meldet unter Berufung auf Daten des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR): 56 Prozent der Bevölkerung in Deutschland leben mittlerweile in einer Kommune, die ihre kommunale Wärmeplanung abgeschlossen hat. Das Wärmeplanungsgesetz verpflichtet Gemeinden mit mehr als 100.000 Einwohnern, ihren Wärmeplan bis zum 30.06.2026 vorzulegen; kleinere Gemeinden haben dafür bis Mitte 2028 Zeit. Bei den Großstädten ist die Frist damit weitgehend eingehalten worden. Bei der Gesamtzahl aller Gemeinden in Deutschland ist das erwartungsgemäß anders, weil die meisten von ihnen schlicht noch nicht an der Reihe sind. Wärmepläne legen fest, welche Gebiete künftig an ein Wärmenetz angeschlossen werden können und wo Gebäude auf dezentrale Lösungen angewiesen bleiben. Sie sagen aber nichts darüber aus, ob die energetische Sanierung des Gebäudebestands im dafür unterstellten Tempo tatsächlich stattfindet – und genau da liegt der Befund des Berichts.
Die Zahlen
- 56 Prozent der Bevölkerung leben in Kommunen mit abgeschlossenem Wärmeplan
- 2.836 Gemeinden haben einen fertigen Wärmeplan – das sind 26 Prozent aller Gemeinden in Deutschland
- 72 von 83 Großstädten (über 100.000 Einwohner) haben die gesetzliche Frist zum 30.06.2026 eingehalten
- Kleinere Gemeinden haben für ihren Wärmeplan erst bis Mitte 2028 Zeit – die 26-Prozent-Zahl bildet also überwiegend Gemeinden ab, die noch gar nicht fällig sind
- Tatsächliche Sanierungsquote für Wohngebäude 2025 bundesweit: unter einem Prozent
- In vielen Wärmeplänen für Großstädte kalkulierte Sanierungsrate: zwei Prozent jährlich
Was das für Kommunen bedeutet
Der Wärmeplan ist die Grundlage, nicht das Ergebnis. Er beschreibt, mit welchem Sanierungstempo eine Kommune rechnet, wenn sie festlegt, welche Quartiere ein Wärmenetz bekommen und welche nicht. Liegt die tatsächliche Sanierungsquote bei einem Bruchteil der kalkulierten zwei Prozent, verändert das die Grundlage, auf der Investitionsentscheidungen für Netze getroffen wurden – ohne dass der Plan selbst automatisch neu gerechnet wird. Direkten Einfluss hat eine Kommune aber auf einen Teil des Bestands: ihre eigenen Liegenschaften. Schulen, Kitas, Verwaltungsgebäude, Sporthallen – dort ist die Kommune selbst Bauherrin und kann die Sanierungsrate ihres eigenen Portfolios erhöhen, ohne auf private Eigentümer angewiesen zu sein. Das setzt allerdings Verfahren voraus, die schneller sind als die klassische Einzelsanierung mit Auszug und Bauzeiten von einem Jahr und mehr pro Objekt. Wie eng Gebäudetyp, Nachweispflichten und Sanierungstempo inzwischen zusammenhängen, zeigt auch die kommende GWP-Nachweispflicht ab 2028.
Was das für Investoren und Bauherren bedeutet
Für Bestandshalter ist der Wärmeplan eine langfristig bindende Information: Er entscheidet, ob ein Gebäude in absehbarer Zeit an ein Wärmenetz angeschlossen werden kann oder ob eine dezentrale Lösung die einzige realistische Option bleibt. Diese Zuordnung beeinflusst, welche Heiztechnik sich wirtschaftlich rechnet, und damit auch die Werthaltigkeit eines Bestandsobjekts. Der zweite Punkt betrifft den regulatorischen Rahmen insgesamt: Die Heizungsgesetz-Novelle und die kommunale Wärmeplanung greifen ineinander, und beide setzen ein Sanierungstempo voraus, das aktuell nicht erreicht wird. Wer als Investor plant, sollte diese Lücke selbst einpreisen, statt sich auf die im Wärmeplan unterstellte Rate zu verlassen.
Einordnung
Der eigentliche Befund des Berichts ist nicht die Zahl der fertigen Wärmepläne, sondern die Differenz zwischen Planung und Umsetzung: Eine Sanierungsquote von unter einem Prozent gegenüber einer in vielen Plänen kalkulierten Rate von zwei Prozent ist kein kleiner Rückstand, sondern ein Faktor zwei. Ein Wärmeplan, dessen Grundannahme so deutlich verfehlt wird, trägt auf Dauer nicht – weder für den Netzausbau noch für die Klimaziele, die er unterlegen soll. Diese Rate ist dabei keine gesetzliche Zielvorgabe der Bundesregierung, sondern eine Rechengröße, mit der die Wärmepläne selbst kalkulieren.
Die handwerkliche Einzelsanierung, wie sie heute überwiegend stattfindet, skaliert für diese Lücke nicht: Sie ist personalintensiv, dauert lange und bedeutet für Bewohner meist einen Auszug. Serielle Sanierung mit vorgefertigten Holzelementen setzt an genau diesem Mengenproblem an, nicht an der Qualität des Einzelprojekts. Fassaden- und Dachelemente aus Holz, im Werk vorgefertigt und mit Holzfaserdämmung ausgestattet, lassen sich am bewohnten Gebäude montieren, ohne dass Mieter ausziehen müssen, und verkürzen die Bauzeit pro Objekt erheblich gegenüber der klassischen Gerüst-und-Putz-Sanierung. Das macht seriell gefertigte Holzelemente nicht automatisch zur Lösung für jeden Bestandsbau – Statik, Anschlussdetails und Fördervoraussetzungen unterscheiden sich von Fall zu Fall, und ein Überblick zu regionalen Förderprogrammen lohnt sich vor jeder Entscheidung, siehe dazu die Übersicht zu Holzbauaktivitäten der Bundesländer. Aber die Frage, wie eine Sanierungsquote von unter einem auf zwei Prozent kommt, ist zuerst eine Frage des Tempos – und dafür ist Vorfertigung der bislang tragfähigste Ansatz.
Quellen: BFW: Mehr als die Hälfte der Bevölkerung lebt in Kommunen mit abgeschlossenem Wärmeplan
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