Drei Millionen Tonnen Kunststoff am Bau, und eine biobasierte Alternative
Die Bauwirtschaft verarbeitet über drei Millionen Tonnen Kunststoff pro Jahr. Biobasierte Varianten existieren, sind aber oft noch unwirtschaftlich.
Kunststoffe machen nur drei Prozent der Baumaterialien aus, in absoluten Zahlen sind das über drei Millionen Tonnen pro Jahr. Die Bauwirtschaft ist damit der zweitgrößte Kunststoffabnehmer nach der Verpackungsindustrie.
Die Meldung
Ein Beitrag der Holzbauinitiative beleuchtet biobasierte Kunststoffe als Baustein des EU-Leitmarkts für biobasierte Bauprodukte. Kunststoffe stellen nur rund drei Prozent der eingesetzten Baumaterialien, absolut verarbeitet die Branche jedoch über drei Millionen Tonnen jährlich und ist damit nach der Verpackungsindustrie der zweitgrößte Abnehmer. Die Hauptanwendungen: Rohre und Leitungen mit 50 bis 60 Prozent, Fenster, Türen und Fassaden mit 15 bis 20 Prozent sowie Platten, Dämmstoffe und Folien mit 10 bis 15 Prozent. Biobasierte Varianten sind teilweise schon marktverfügbar: genannt werden Wanddübel aus Bio-Polyamid, Bodenbeläge auf Bio-Polyurethan-Basis und Holzklebstoffe aus Bio-PU. Technisch möglich, aber wirtschaftlich noch nicht tragfähig sind Rohre und Profile aus Bio-Polyethylen oder Bio-PVC. Als Hemmnisse werden Kostennachteile, begrenzte Produktionskapazitäten, fehlende Standards und mangelnde Langzeiterfahrungen benannt.
Die Zahlen
- Anteil Kunststoffe an Baumaterialien: rund 3 %
- Jahresverbrauch der Bauwirtschaft: über 3 Mio. t
- Rang als Kunststoffabnehmer: zweitgrößter nach Verpackung
- Rohre und Leitungen: 50–60 % des Einsatzes
- Fenster, Türen, Fassaden: 15–20 %
- Platten, Dämmstoffe, Folien: 10–15 %
Unser Kommentar
Die Zahlenverteilung ist der Grund, weshalb dieses Thema den Holzbau betrifft, und zwar unangenehm. Ein Holzgebäude ist kein reines Holzgebäude: Dampfbremsen, Folien, Dichtbänder, Klebstoffe, Rohrleitungen und Dämmstoffbestandteile sind häufig petrochemisch. Wer die Ökobilanz eines Holzbaus optimiert, stößt irgendwann auf diese Positionen, und sie sind schwer zu ersetzen, weil an ihnen Bauphysik und Gewährleistung hängen. Eine Dampfbremse, die nicht dauerhaft funktioniert, ruiniert die Konstruktion, die sie schützen soll.
Zweiter Punkt: Klebstoffe. Bio-PU-Holzklebstoffe sind schon verfügbar, und sie sind der interessanteste Posten in dieser Liste, weil verklebte Holzbauteile (Brettschichtholz, Brettsperrholz) den mehrgeschossigen Holzbau überhaupt erst tragfähig machen. Klebstoff ist mengenmäßig gering, aber er entscheidet über die Kreislauffähigkeit des Bauteils: Was verklebt ist, lässt sich am Lebensende schlechter sortenrein trennen als das, was geschraubt ist.
Bei der Einordnung sollte man nüchtern bleiben. „Technisch möglich, aber unwirtschaftlich“ heißt in der Baupraxis: nicht verfügbar. Solange Bio-PVC-Rohre ein Mehrfaches kosten, werden sie in Ausschreibungen nicht auftauchen, es sei denn, ein Auftraggeber schreibt sie ausdrücklich vor und bezahlt sie. Für öffentliche Bauherren ist das genau der Punkt, an dem die EU-Bioökonomiestrategie ansetzt: Öffentliche Beschaffung soll die Nachfrage erzeugen, die Kapazitäten und Skaleneffekte erst entstehen lässt. Wer das für sinnvoll hält, sollte wissen, dass es zunächst Geld kostet, und dass es an einer Stelle wirksamer ist als überall verteilt.
Quellen: FNR/Holzbauinitiative: Biobasierte Kunststoffe in der Bauwirtschaft
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